{"id":826,"date":"2023-10-18T23:14:51","date_gmt":"2023-10-18T21:14:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.omasgegenrechts-dresden.de\/?p=826"},"modified":"2023-10-22T20:22:01","modified_gmt":"2023-10-22T18:22:01","slug":"was-ich-beim-gedenkkritik-workshop-von-dresden-wiedersetzen-gelernt-habe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.omasgegenrechts-dresden.de\/index.php\/2023\/10\/18\/was-ich-beim-gedenkkritik-workshop-von-dresden-wiedersetzen-gelernt-habe\/","title":{"rendered":"Was ich beim Gedenkkritik-Workshop von &#8220;Dresden WiEdersetzen&#8221; gelernt habe"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-media-text is-stacked-on-mobile\" style=\"grid-template-columns:47% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"526\" height=\"526\" src=\"https:\/\/www.omasgegenrechts-dresden.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/384133318_711387907694349_936720522089325534_n.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-828 size-full\" srcset=\"https:\/\/www.omasgegenrechts-dresden.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/384133318_711387907694349_936720522089325534_n.jpg 526w, https:\/\/www.omasgegenrechts-dresden.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/384133318_711387907694349_936720522089325534_n-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.omasgegenrechts-dresden.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/384133318_711387907694349_936720522089325534_n-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 526px) 100vw, 526px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/dresden.stellt.sich.quer\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" title=\"\">Dresden WiEdersetzen<\/a> hatte zum &#8220;Action-Weekend&#8221; eingeladen und ich m\u00f6chte gern teilen, was ich beim Workshop &#8220;Gedenkkritik&#8221; mitnehmen konnte. In einem Satz: <strong>Es wurde herausgearbeitet, dass die starke Pr\u00e4ferenz f\u00fcr das historische Dresden und der Mythos um die Opfer<\/strong> <strong>anschlussf\u00e4hig f\u00fcr Rechtsextremisten ist und folglich auch von diesen missbraucht wird. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Nebenbei habe ich auch noch gelernt, was <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Volxk%C3%BCche\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" title=\"\">K\u00fcfA<\/a> ist &#8211; dazu sp\u00e4ter mehr \ud83d\ude42<\/p>\n\n\n\n<p>Aber der Reihe nach:<\/p>\n\n\n\n<p>Viele junge Menschen und wenige \u00e4ltere hatten sich im <a href=\"https:\/\/www.azconni.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" title=\"\">AZ Conni<\/a> zusammengefunden, um das Thema zu diskutieren. Zum Aufw\u00e4rmen gab es eine &#8220;Wahrheit oder Mythos&#8221;-Challenge, wo es z.B. darum ging, dass es am 13. Februar 1945 weder Phosphor-Abw\u00fcrfe gab noch ein gezielter Beschuss des &#8220;Gro\u00dfen Gartens&#8221; aus Sichtgr\u00fcnden \u00fcberhaupt m\u00f6glich gewesen w\u00e4re. <\/p>\n\n\n\n<p>Im Hauptteil arbeiteten einzelne Gruppen anhand Material zu verschiedenen Zeitabschnitten (bis 1945, 1945, Nachkriegszeit, Friedensbewegung in der DDR, Wendezeit) heraus, was Dresden im Februar 1945 war &#8211; n\u00e4mlich Nazihochburg und Gauhauptstadt, Eisenbahnknotenpunkt, Standort der R\u00fcstungsindustrie und des Milit\u00e4rs &#8211; und wie dann sp\u00e4ter nach und nach eine Umdeutung des Gedenkens erfolgte, bis am Ende nur noch der Opfermythos blieb. <\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mich besonders aufschlussreich war dabei, dass erst die Friedensbewegung in der DDR nach einer relativen Ruhephase der Erinnerungskultur in den 1960er und 70er Jahren das Gedenken an die Bombardierung im Jahr 1982 wiederbelebt hat, um f\u00fcr ihre (sicher untadeligen) Ziele &#8211; n\u00e4mlich Abr\u00fcstung und Demilitarisierung &#8211; eintreten zu k\u00f6nnen. Und da bot der 13. Februar eben einen passenden Ankn\u00fcpfungspunkt, den auch die DDR-Regierung schlecht abwehren konnte&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Und so r\u00fcckte der Opfermythos sukzessive immer mehr in den Fokus. Daran \u00e4nderte sich auch mit bzw. nach der friedlichen Revolution in der DDR nicht ernsthaft etwas: Gerade der <a href=\"https:\/\/www.frauenkirche-dresden.de\/foerdergesellschaft\/wie-alles-begann\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" title=\"\">Appell f\u00fcr den Wiederaufbau der Frauenkirche<\/a> zeigt sehr wenig Zeichen von Reflexion oder gar Reue, daf\u00fcr aber umso mehr &#8220;Opfer-Bewusstsein&#8221;.<\/p>\n\n\n\n<p>Und was haben wir heute? Nachfolgend ein Auszug aus dem <a href=\"https:\/\/twitter.com\/ddwiedersetzen\/status\/1667119500603342848\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" title=\"\">Selbstverst\u00e4ndnis von Dresden WiEdersetzen<\/a>:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8220;Nach wie vor ist Dresden ein beliebter Aufmarschort f\u00fcr alte und neue Nazis. Das wird so bleiben, solange die Stadt an ihrem institutionalisiertem \u00f6ffentlichen Gedenken festh\u00e4lt. Der j\u00e4hrliche, von Polizei und Beh\u00f6rden mit vollem Einsatz begleitete Trauermarsch der Nazis kn\u00fcpft problemlos an den Wunsch der b\u00fcrgerlichen Mitte an, alte Zeiten endlich ruhen zu lassen und Dresden von seiner Schuld freizusprechen. Und so gen\u00fcgt es tausenden B\u00fcrgerinnen, am 13. Februar in einer Menschenkette f\u00fcr wenige Minuten H\u00e4ndchen zu halten, Kr\u00e4nze an einer Stelle auf dem Heidefriedhof abzulegen, die die T\u00e4ter*innenstadt Dresden in eine Reihe mit den Opfern stellt, um die Stadt f\u00fcr den Rest des Jahres guten Gewissens an Rechte aller Farben und Schattierungen freizugeben.&#8221;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Teilnehmer*innen des Workshops pl\u00e4dieren daher daf\u00fcr, das offizielle, institutionalisierte (von der Stadt organisierte) Gedenken in Dresden abzuschaffen &#8211; und f\u00fcr mich ist diese Forderung absolut schl\u00fcssig. Dabei ist mir wichtig zu erw\u00e4hnen, dass sich dieser Ansatz ausdr\u00fccklich nicht auf informelle Gedenk-Aktionen wie z.B. unsere <a href=\"https:\/\/www.omasgegenrechts-dresden.de\/index.php\/2023\/02\/06\/mahnwache-fuer-frieden-gegen-krieg-und-gewalt-ueberall-im-gedenken-an-die-opfer-des-holocaust-in-dresden\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" title=\"\">Mahnwache im Gedenken an die Opfer des Holocaust in Dresden<\/a> bezieht.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zum Abschluss gab&#8217;s dann noch die schon erw\u00e4hnte &#8220;K\u00fcche f\u00fcr Alle&#8221;: superlecker, superg\u00fcnstig, kann ich nur empfehlen &#8211; wie auch \u00fcberhaupt einen solchen &#8220;Bildungs-Workshop&#8221; \ud83d\udc4d<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>UPDATE 22.10.2023:<\/p>\n\n\n\n<p>Das Thema l\u00e4sst mir keine Ruhe, ich habe deshalb &#8220;auf eigene Faust&#8221; noch etwas weiter recherchiert und bin dabei auf das rnd-Interview mit dem Historiker Matthias Neutzner <a href=\"https:\/\/www.rnd.de\/politik\/bombardierung-dresdens-vor-75-jahren-gedenken-ist-zum-ritual-geworden-RA5U2SBGUFARRAAXJOM23VK7CM.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" title=\"\">Bombardierung Dresdens vor 75 Jahren: \u201eGedenken ist zum Ritual geworden\u201c<\/a> gesto\u00dfen. Nachfolgend sind ausgew\u00e4hlte Ausschnitte im Wortlaut wiedergegeben. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eDresden 1945\u201c ist zum Symbol geworden, zum Stellvertreterort nicht nur f\u00fcr den Bombenkrieg, sondern auch f\u00fcr andere Leiderfahrungen der Deutschen im Krieg, f\u00fcr die es keine wirkm\u00e4chtigen Erinnerungsorte gibt. Bereits die nationalsozialistische Propaganda schuf diese Symbolerz\u00e4hlung. In der Zeit des Kalten Krieges nutzte man sie in beiden deutschen Staaten weiter.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die SED-Propaganda \u00fcbernahm teilweise w\u00f6rtlich die Goebbels-S\u00e4tze vom \u201eanglo-amerikanischen Bombenterror\u201c, um den neuen Feind im Westen zu diskreditieren. Wie wirkm\u00e4chtig war das?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das trug entscheidend dazu bei, dass sich die mit der Symbolerz\u00e4hlung verbundenen Superlative festigten. Die Zerst\u00f6rung Dresdens wurde zum Instrument der Anklage gegen die \u201eImperialisten\u201c, man hat die Sprachbilder der Nazis \u00fcbernommen, hat ihre \u00dcbertreibungen und Auslassungen \u00fcbernommen.<\/p>\n\n\n\n<p>[&#8230;]<\/p>\n\n\n\n<p>Die Propagandaerz\u00e4hlung von der Kunststadt fernab des Krieges ist l\u00e4ngst widerlegt. Vor allem aber war das Bombardement deutscher Gro\u00dfst\u00e4dte ja nicht als Bestrafung der Deutschen geplant, sondern Teil einer rationalen alliierten Kriegsf\u00fchrung. Im Falle von Dresden war sie erfolgreich: Die R\u00fcstungsproduktion in der Stadt wurde erheblich beeintr\u00e4chtigt, der milit\u00e4risch wichtige Verkehrsknotenpunkt Dresden fiel fast vollst\u00e4ndig aus. Ob es allerdings moralisch gerechtfertigt ist, f\u00fcr diesen milit\u00e4rischen Vorteil 25.000 Menschen zu t\u00f6ten, ist eine andere Frage.<\/p>\n\n\n\n<p>[&#8230;]<\/p>\n\n\n\n<p>Dresden bietet allj\u00e4hrlich am 13. Februar eine gro\u00dfe, hell ausgeleuchtete B\u00fchne f\u00fcr alle Gruppen, die sich geschichtspolitisch \u00e4u\u00dfern wollen. Alle f\u00fcnf Jahre kommt der jeweils amtierende Bundespr\u00e4sident und macht diese B\u00fchne sozusagen noch gr\u00f6\u00dfer. Wir m\u00fcssen uns immer wieder die Frage stellen, ob wir diese B\u00fchne weiter ben\u00f6tigen, und wenn ja, f\u00fcr welche Ziele.<\/p>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dresden WiEdersetzen hatte zum &#8220;Action-Weekend&#8221; eingeladen und ich m\u00f6chte gern teilen, was ich beim Workshop &#8220;Gedenkkritik&#8221; mitnehmen konnte. 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