Die andere Demo

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Wir müssen mehr miteinander reden – diesen Ansatz verfolgte die Demo am Sonntag, den 13. September 2026 auf dem Theaterplatz. Unsere Oma Monika war dabei und schildert ihre ganz persönlichen Eindrücke.

Was hab ich mich durch mein Mittagstief gequält bis ich endlich am Postplatz aus der Straßenbahn stieg. Irgendwo noch einen Espresso zu ergattern, das könnte mich retten. Beim Bäcker musste ich mich entweder für einen Espresso to go anstellen oder artig an einen Tisch setzen und warten bis ich bedient würde. So viel Zeit hatte ich nicht mehr. Im nächstgelegenen Steakhouse fragte ich die freundliche Kellnerin, ob ich gleich und im Stehen an der Theke einen dieser wunderbaren Wachmacher bekommen könnte. Sie lächelte in meine müden Augen und rief zur Theke hinüber: „Mach der Dame mal schnell `n Espresso!“ Dankbar schlürfte ich aus dem winzigen Tässchen das süßbittere Getränk und schon musste ich weiter zur Demo auf den Theaterplatz, der sich bereits mit Menschen füllte. Eine mir entgegenkommende Frau fragte ihren Mann, was da los sei, der mit verkniffener Miene „gegen rechts“ zischte und sie wegzog.
Zum Glück ist unser Stand „OMAS GEGEN RECHTS“ dank der Beachflag zwischen den vielen anderen Pavillons schnell zu finden. Eine Traube Menschen belagerte ihn. Die Buttonmaschine lief auf Hochtouren. Allerdings fand ich auch die beiden Herbststräuße aus Kanadischer Goldroute und Hagebutten sehr einladend und freundlich.

Mich zog es unter´s Volk. Es sollten Gesprächskreise stattfinden. Ich gesellte mich gleich zum nächsten und ließ mich auf meinem kleinen Campingstuhl nieder. Ein bisschen Bequemlichkeit braucht ´ne alte Frau schon. „Wer seid Ihr? Wo kommt Ihr her? Was macht Ihr so? Wie geht es Euch mit dem Wahlergebnis in Sachsen Anhalt?“ Zwanzig Menschen um eine Picknickdecke und der Platz war voll, ich hörte von 5000 Teilnehmern. Wir teilten uns sofort in Fünfer-Gruppen und rückten enger zusammen, um uns besser zu verstehen. Annett, Anna, Max und nochmal Max und neben mir saß Christina. Wir kamen sofort ins Gespräch – aus allen Ecken von Dresden kamen sie. Nach einer Viertelstunde gab es neuen Input: „Was denkt Ihr, woran liegt der Wahlerfolg? Was würdet Ihr gerne verändern? Was können wir gemeinsam als Menschen auf der ganzen Versammlung tun?“ Sofort rief eine junge Frau von der anderen Seite der Picknickdecke: „Was kann ich denn mit den Arschlöchern aus meiner Familie tun, die mich so sexistisch belegen und dann soll ich dazu noch ruhig sein?“ Eine aus dem Kreis antwortet: „Vielleicht wäre es gut, wenn du zuerst von denen nicht denkst, dass sie Arschlöcher sind!“ Eine andere macht den Vorschlag, dass sie bevor sie so wütend ist, sagen könnte, wie es ihr mit derartigen Äußerungen geht. Was Max sagte, weiß ich nicht mehr genau, doch brachte es eine spürbare Beruhigung in die Gruppe. Wir überlegten gemeinsam, wie wir in unserer Wohnumgebung agieren könnten, in kleinen niedrigschwelligen Gesprächsgruppen, im Innenhof grillen oder einfach einfach `n Schild an den Zaun hängen „Lust auf´n Kaffee?“ Dass unsere Bevölkerung in zwei Gruppierungen gespalten sind, die einen haben Angst vor dem Sozialabbau, vor Krieg und vielleicht auch vor Naturkatastrophen (auch wenn es nach der Schreibart der AfD den menschengemachten Klimawandel nicht gibt) und die anderen haben Angst vor der AfD. Und ziemlich am Rande durfte auch die Wut auf unsere Regierung sein, die der AfD unbeirrt den Steigbügel zum weiteren Aufstieg hält. Was können wir denn mit denen machen?
Ich war zufrieden, mit diesem ersten Versuch, eine Demo anders zu gestalten.
Wieder an unserem Stand, die Buttonmaschine lief heiß und die Omas verteilten Glückslose, jedes Los gewinnt: „Herzlichen Glückwunsch! Sie leben in einem Land, in dem Sie sagen dürfen, was Sie denken!“
Die Menschen dankten uns mit großzügiger Unterstützung.

Foto: Nora Scholz