Eine Lesung mit den OMAS GEGEN RECHTS Halle im Kästnerhaus Dresden.
Langsam füllt sich der Raum. Erwartungsvolle Gespräche schwirren durch die Luft, der Lesetisch ist gedeckt, die Hallenserinnen spucken sich im Backstage über die Schulter…

Dann beginnt es. Der Flügel von Cynthias Großmutter erklingt und führt musikalisch in einen sehr nachdenklich machenden Abend ein.
Auf der Bühne: 3 Mütter und 3 Töchter. Sie lesen Auszüge eines Textes von Hermynia Zur Mühlen: “Unsere Töchter, die Nazinen”.
Hätten wir nicht gewusst, dass der Text von 1933/34 stammt, hätten wir glauben können, es handele sich um eine Beschreibung der heutigen Zeit. Argumentationen, Zitate – sie sind heute genauso aktuell wie damals.
Die drei Mütter beschreiben eindrucksvoll die Ambivalenzen des Denkens, zeichnen Entwicklungen nach und beschreiben, wie große Versprechen eine ganze Generation junger Menschen verblendet.
Die Lesung ist zweigeteilt – im ersten Teil wird die Zeit kurz vor der Machtergreifung, im zweiten Teil die Zeit kurz danach beschrieben.
Wir erleben kein Märchen mit positivem Ausgang und doch ist es der zweite Teil, der auch Mut macht. Die geöffneten Augen. Die Wandlung der jungen Nazinen. Die Kraft von Müttern, die lieben. Der Raum seufzt kollektiv. Reagiert. Lacht auch. Es ist ein Miteinander – das Lesen und das Hören.
Und im Hinterkopf klopft bei mir die ganze Zeit Erich Kästners Aussage:
“Die Ereignisse von 1933 bis 1945 hätten spätestens 1928 bekämpft werden müssen. Später war es zu spät. Man darf nicht warten, bis der Freiheitskampf Landesverrat genannt wird. Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muss den rollenden Schneeball zertreten. Die Lawine hält keiner mehr auf.”
In welchem Jahr befinden wir uns?
Der letzte Satz der Lesung lässt mich noch einmal zusammenzucken. “Frieden. Vielleicht erlebe ich ihn noch. Aber mir graut vor dem, was dem Frieden vorangehen muss.”
Das ist es, was ich mitnehme – in unser geselliges Beieinander mit den Hallenserinnen, in unser Frühstücksgespräch, in meine politische Arbeit – es soll dem Frieden nichts vorangehen müssen. Es liegt auch an mir, das Grauen nicht zuzulassen und dem Guten den Teppich auszubreiten.
Noch in der Nacht spinnen wir mit den Hallenserinnen Ideen – gute Ideen und gute Aktionen helfen, die Arbeit der OMAS weiter zu machen.
Danke für den Abend!
Claudia
